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Bundesgemeinschaft für deutsch-niederländische Zusammenarbeit

Tänzerin von Auschwitz - Roosje Glaser

Das Leben der niederländischen Auschwitz-Überlebenden Roosje Glaser steht im Mittelpunkt der Ausstellung „Tanzen mit dem Feind“. Bei einem Besuch im Konzentrationslager Auschwitz im Jahr 1987 stößt der 1947 in Maastricht geborene und als Kind einer katholischen Familie aufgewachsene Paul Glaser auf einen Koffer, auf dem sein Familienname steht. Durch diesen Zufall entdeckt er neben seinen jüdischen Wurzeln die Lebensgeschichte seiner Tante Roosje, die jahrelang innerhalb der Familie verschwiegen wurde.

Roosje wurde 1914 in Nimwegen geboren. Sie galt als eine emanzipierte und temperamentvolle Frau und leitete erfolgreich mehrere Tanzschule, als 1940 die Nationalsozialisten die Niederlande besetzten. Die NS-Herrscher zwangen sie in die Illegalität. Als ihr Ehemann Leo sie verriet, begann Roosjes Leidensweg durch sieben Konzentrationslager. Wieder und wieder wurde sie durch weitere „Freunde“ verraten und landete 1943 in Auschwitz. Nachdem Roosje 1945 selbst die Todesmärsche, auf denen sie mit zahllosen anderen Häftlingen von KZ zu KZ getrieben wurde, überlebte, ging sie nach ihrer Rettung durch das schwedische Rote Kreuz nach Stockholm und begann dort ein neues Leben.


Roosje Glaser war keine bekennende Jüdin, keine Widerstandskämpferin, die für ihre Ideale den Kopf hinhielt. Vielmehr zeichnet die Ausstellung die Geschichte einer unbeugsamen Frau nach, die mit dem Mut der Verzweiflung um ihr Leben kämpfte. Für ihr Überleben spielte der Tanz eine tragende Rolle. Tanzen bedeutete für Roosje Überleben. Anhand von Briefen, Tagebüchern, Dokumenten, originalen Fotoalben und Filmfragmenten wird die Tragik und Zerrissenheit, aber auch die Leidenschaft der historischen Figur Roosje Glaser sichtbar. Inhalte durch einen multimedialen Ausstellungsbau mit innovativen Bauelementen sowie mit vielen originalen Exponaten und atmosphärischen Gegenständen und Möbeln lässt die damalige Zeit greifbar werden. Neben der Biografie einer unbeugsamen Jüdin wird durch die Ausstellung aber auch anschaulich, wie „Auschwitz“ bis in die Lebensgeschichten der folgenden Generationen hineinreicht.

Grundlegend für die Ausstellung ist die 2015 auf Deutsch im Aufbau-Verlag erschienene Biografie „Die Tänzerin von Auschwitz“, die ihr Neffe Paul Glaser aus Roosjes Tagebüchern, Briefen und anderen Schriftstücken zusammenstellte. Die Ausstellung ist vom Museum „Herinneringscentrum Kamp Vught“ (Erinnerungszentrum Lager Herzogenbusch) erstellt worden. Die Ausstellung und ein umfangreiches Rahmenprogramm lassen uns darüber nachdenken, wie wir uns als „Zweitzeugen“ aufstellen und gegensteuern, wenn Rassismus, Antisemitismus und Nationalismus in unserer heutigen Gesellschaft wider erschreckende Ausmaße annehmen.

Die Ausstellungseröffnung findet am 27. Juni 2024 um 18.00 Uhr statt. 

Eintritt: frei

Zeit: Freitag, 28. Juni 2024 - Sonntag, 28. Juli 2024

Geöffnet: Mo, Mi, Do, Fr 12–18 Uhr, Sa/So 10–16 Uhr, dienstags geschlossen

Ort: Zunftsaal im Haus der Niederlande

Organisation: ZNS/Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Münster

Kontakt.
Zentrum für Niederlande-Studien
Alter Steinweg 6/7
48143 Münster
zns@uni-muenster.de
0251/83-28511