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Bundesgemeinschaft für deutsch-niederländische Zusammenarbeit
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Confidentia - Kunst als Medium der Vertrauensbildung in den Niederlanden. Call for Papers zur Jahrestagung des ANKK

Die gegenwärtige Gesellschaft erlebt eine Krise des Vertrauens. Symptomatisch ist die Rede von Misstrauen in die Wissenschaft, verspieltem Kredit der Regierung oder zerrütteter Glaubwürdigkeit privater und öffentlicher Institutionen wie Medien, Kirchen und Banken. Die pandemische Lage, durch die etwa QAnon, Wissenschaftsfeindlichkeit und Impfverweigerung zu kurrenten Themen der Politik geworden sind, wirkt wie ein Brandbeschleuniger für einen tieferwurzelnden gesellschaftlichen Wandel. Ausmaß und Folgen dieser Vertrauenskrise machen aber auch offensichtlich, wie groß zugleich das Vertrauen ist, das viele öffentliche Institutionen in breiten Teilen der Bevölkerung genießen. Kritische Skepsis ist eine Voraussetzung unserer offenen Gesellschaft, Vertrauen jedoch die Grundlage zwischenmenschlichen, sozialen und internationalen Zusammenhalts. Sie ist ein effektiver Mechanismus zur Minderung sozialer Komplexität.

Während Vertrauen ein in Psychologie, Soziologie und anderen Sozialwissenschaften viel diskutiertes Thema ist, sind historische und kulturwissenschaftliche Untersuchungen bislang eher rar. Vor diesem Hintergrund ist es das Anliegen des diesjährigen Jahrestreffens des Arbeitskreises niederländische Kunst und Kulturgeschichte e.V., Kunst als Medium der Vertrauensbildung zu beleuchten. Wie wird Vertrauen durch Kunst und Kultur erzeugt, bewahrt und gestärkt, aber auch wieder verspielt und zerstört? Wir freuen uns über Beiträge aus folgenden und anderen einschlägigen Bereichen sowie aus allen Epochen und Gattungen der nordalpinen Kunst:

Bilder des Vertrauens: Wie wurde Vertrauen – etwa in Personifikationen und Allegorien, aber auch in anderen Gattungen – zur Darstellung gebracht? Welche Mythen, Legenden und Erzählungen verhandeln das Gelingen und Scheitern vertrauensvoller Beziehungen? In welches Verhältnis wurde Vertrauen von Kunstschaffenden zu anderen Tugenden und Eigenschaften wie Glauben und Hoffnung oder aber Skepsis und Neid gesetzt?

Politische Ikonographie: Welchen Beitrag haben Kunst- und Bauwerke zur Bildung von Vertrauen geleistet – gleich ob in fürstliche Staatskunst, kirchliche Würdenträger oder bürgerliche Unternehmungen? Welche visuellen Strategien, Materialien und Medien kamen dabei zum Tragen? Und welche Kontinuitäten, Brüche und Wandlungen lassen sich beobachten?

Kunsttransfer & Provenienzforschung: Wie wurden Kunstwerke eingesetzt, um Vertrauen zu schaffen – etwa als diplomatische Gabe, Hochzeitsgeschenk oder in außereuropäischen Handelsbeziehungen? Wie nutzen Kunstfälschungen ein marktübliches Vertrauen in kunsthistorische Expertisen aus? Wie kann durch Restitution verlorenes Vertrauen wiedergewonnen werden?

Historische Kunsttheorie: Mit welchen Begrifflichkeiten wurde das Vertrauen beschrieben und erklärt, das Kunstwerke bei ihrem Publikum wecken können? Welche Materialien, Motive, Bildformeln und weitere ästhetische Qualitäten konnten eine Darstellung vertrauenswürdig machen? In welchem Verhältnis steht diese Glaubwürdigkeit zu Illusionismus und Augentäuschung?

Museums- und Wissenschaftspraxis: Wann kann eine Restaurierung als vertrauenswürdig gelten? Wie können Museen, das Ansehen, das sie genießen, gesellschaftlich einbringen, ohne ihren Vertrauenskredit beim Publikum in der Öffentlichkeit zu verspielen? Welchen Beitrag kann die Kunstgeschichte dazu leisten, das Vertrauen in wissenschaftliche Institutionen zu erhöhen?

Work in Progress-Sektion

Zusätzlich zum Confidentia-Thema möchten wir auf dem Jahrestreffen wieder die Möglichkeit geben, aus laufenden Promotions-, Forschungs- und Ausstellungsprojekten zu berichten. Um ein möglichst breites Spektrum an Themen zu ermöglichen, sind für diese Sektion Kurzvorträge vorgesehen.

Das Jahrestreffen ist zunächst in Präsenz geplant und soll vom 20. bis 22. Oktober 2022 in Bonn stattfinden. Es wird in Kooperation mit dem Kunsthistorischen Institut der Universität Bonn durchgeführt werden und Gelegenheit zum Besuch der Ausstellung Augenlust. Niederländische Stillleben im Detail im LVR-LandesMuseum Bonn bieten. Für eine Teilnahme ist eine ANKK-Mitgliedschaft oder eine Tagungsgebühr in Höhe von 40/20 Euro obligatorisch. Interessierte bitten wir um kurze CVs sowie deutsche oder englische Abstracts von nicht mehr als 300 Wörtern für einen 20-30-minütigen Vortrag zum Confidentia-Thema oder für einen 5-10-minütigen Kurzvortrag in der Work in Progress-Sektion. Wir freuen uns über Einsendungen bis zum 15. April 2022 an folgende Adresse: konferenz@ankk.org

Update vom 19. September 2022: Das Programm der Tagung liegt vor: Confidentia - Kunst als Medium der Vertrauensbildung in den Niederlanden

Anmeldungsformular

www.ankk.org