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Bundesgemeinschaft für deutsch-niederländische Zusammenarbeit

Regierung entschuldigt sich für niederländische Sklaverei-Vergangenheit

In einer Rede entschuldigte sich Ministerpräsident Mark Rutte heute Nachmittag für die Handlungen des niederländischen Staates in der Vergangenheit: posthum bei allen versklavten Menschen weltweit, die unter diesen Handlungen gelitten haben, bei ihren Töchtern und Söhnen und bei all ihren Nachkommen bis zum heutigen Tag. Der Premierminister entschuldigte sich im Nationalarchiv in Den Haag in Anwesenheit von Vertretern von Organisationen, die sich für die Anerkennung der Folgen der Sklaverei einsetzen. In Surinam sowie in Aruba, Curaçao, Sint Maarten, Bonaire, Sint Eustatius und Saba werden Mitglieder des Kabinetts nach der Rede mit den zuständigen Organisationen und Behörden darüber sprechen, was diese Entschuldigungen vor Ort bedeuten.

"Wir tun dies, und wir tun dies jetzt, an der Schwelle zu einem wichtigen Gedenkjahr, um gemeinsam den Weg nach vorne zu finden. Wir teilen nicht nur die Vergangenheit, sondern auch die Zukunft. Deshalb setzen wir heute ein Komma und keinen Punkt".

Die Entschuldigung des Premierministers und die Gespräche der Kabinettsmitglieder an anderer Stelle sind ein wichtiger Teil der Reaktion des Kabinetts auf den Bericht Ketten der Vergangenheit, der im Juli 2021 von der beratenden Dialoggruppe Sklaverei der Vergangenheit vorgelegt wurde. Darin wird der Regierung empfohlen, die Sklaverei im Königreich anzuerkennen, zu entschuldigen und wiedergutzumachen. Die Antwort des Kabinetts auf den Bericht wurde heute Nachmittag an den Senat und das Repräsentantenhaus gesandt.

Im Anschluss an die Rede wird der Premierminister zusammen mit den stellvertretenden Premierministern Kaag, Hoekstra und Schouten sowie den Ministern Bruins Slot und Dijkgraaf mit den Anwesenden zu einem privaten Gespräch zusammenkommen.

Antwort des Kabinetts
Das Kabinett wird einen Fonds in Höhe von 200 Millionen Euro für Maßnahmen in den Bereichen Sensibilisierung, Beteiligung und Wirkung zur Verfügung stellen. Die Planung und Zuweisung des Fonds erfolgt gemeinsam mit den Nachkommen und anderen Beteiligten.

Darüber hinaus schlägt das Kabinett vor, einen unabhängigen Gedenkausschuss einzurichten. In den kommenden Jahren muss dieser Gedenkausschuss dafür sorgen, dass am 1. Juli 2023 gemeinsam mit dem karibischen Teil des Königreichs, Surinam und anderen Ländern ein großes, würdiges Gedenken an die Sklaverei stattfindet. Die Regierung will das kommende Gedenkjahr 2023 nutzen, um gemeinsam mit den gesellschaftlichen Parteien und dem zu gründenden Gedenkausschuss zu prüfen, wie das jährliche Gedenken dauerhafter, würdiger und kohärenter gestaltet werden kann.

Das kommende Gedenkjahr, das am 1. Juli 2023 beginnt, wird mehrere große, reichsweite Veranstaltungen umfassen. Der König fühlt sich persönlich sehr betroffen und wird am 1. Juli bei den Gedenk- und Feierlichkeiten in Amsterdam anwesend sein. Das kommende Gedenkjahr bietet viel Raum für soziale, kulturelle und bildungspolitische Initiativen der Gemeinschaft.

Weitere Schritte
Die Regierung betrachtet die heutige Entschuldigung als einen ersten Schritt. Neben den Entschuldigungen kündigte die Regierung in ihrer Antwort ihre Absicht an, der Vergangenheit der Sklaverei einen festen Platz im Unterricht einzuräumen, da junge Menschen dort mit der Geschichte in Berührung kommen.

Die Regierung setzt sich auch für die Erweiterung des Wissens und des Bewusstseins ein, indem sie Museen, Archive und den Schutz des kulturellen Erbes sowohl in den europäischen Niederlanden als auch in den karibischen Teilen des Königreichs und anderen beteiligten Ländern bewahrt und weiterentwickelt. Mit Aruba, Curaçao, Sint Maarten, Bonaire, Sint Eustatius und Saba werden Konsultationen über ihre spezifischen Wünsche in diesen Bereichen geführt. Das Kabinett trägt auch zum Aufbau eines nationalen Sklavereimuseums mit angeschlossenem Wissenszentrum bei. Die angekündigte mehrjährige Forschung über die Vergangenheit der Sklaverei wird diesen Institutionen Anregungen geben. Auch die Änderung eines mit der Sklaverei zusammenhängenden Nachnamens wird dadurch erleichtert.

Für den grausam ermordeten Widerstandshelden Tula aus Curaçao kündigt das Kabinett eine offizielle Rehabilitierung an. Der vorgesehene Fonds wird auch die Möglichkeit bieten, andere Widerstandskämpfer angemessen zu ehren.

Quelle: Kabinett des Ministerpräsidenten

Text der Anprache des Ministerpräsidenten

Mitschnitt der Ansprache des Ministerpräsidenten